Stadtdekan Søren Schwesig
und sein
»Stuttgarter Beitrag«

Fragen an den Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig

Vorbemerkung

Der Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig und der Vorsitzende des Stuttgarter Gesamtkirchengemeinderats Christian Schwinge verschickten in der Vorweihnachtszeit den Spendenaufruf »Stuttgarter Beitrag«.

Das ist grundsätzlich nicht verwerflich. Im Anschreiben werden einige Bereiche aufgeführt, in die sich die Kirche einbringt. Die Begründung für den Spendenaufruf aber verwundert:

»Mit der Kirchensteuer läßt sich das alles nicht mehr finanzieren […]«.

Nun ist die evangelische Kirche dafür bekannt, auch für Blödsinn viel Geld hinauszuwerfen. Deswegen wurde eine Anfrage an Stadtdekan Søren Schwesig gestellt.

Ein Beitrag der Stuttgarter Zeitung vom 10.2.2018 über eine Sitzung des Stuttgarter Gesamtkirchenrats mit Stadtdekan Søren Schwesig ist überschrieben mit »Kirche soll wieder näher bei den Menschen sein«.

Auch Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July der Evangelischen Landeskirche in Württemberg verkündet auf seiner Web-Seite mit großer Geste (Stand 2.10.2018):

»Landesbischof July will eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, und ist davon überzeugt: ›Wenn unser Wir-Gefühl weiter gestärkt wird, dann wollen Menschen auch zu dieser Kirche gehören.‹ In diesem Sinne sieht er auch seine Rolle als Bischof. Dieses Amt lebe von einer intensiven Kommunikation. ›Vom Hinhören, vom Antworten, vom miteinander Sprechen.‹«

Da sollte eine angemessene Antwort zu erwarten sein.

Doch leider mußte der Autor wie beim Thema »Kirche und Rundfunk« auch hier feststellen, daß die klerikalen Würdenträger in der Praxis offensichtlich nichts von Rückmeldungen seitens des niederen Kirchenvolks halten.

Nah bei den Menschen? Hinhören, Antworten, miteinander Sprechen?

Das ist gelogen.

Diese Web-Seite ist in Bearbeitung.

Übersicht

Fr., 21.12.2018 Fragen und Beobachtungen zu Themen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Do., 27.12.2018 (Keine) Antwort des Stuttgarter Stadtdekans Søren Schwesig
Mo., 14.1.2019 Erwiderung an den Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig

Vorgänge

Datum:

21. Dezember 2018, 14:21 Uhr

An:

Stadtdekan Søren Schwesig Dekanatamt.Stuttgart@ELkW.de

Kopie:

Christian Schwinge Christian.Schwinge@ELkW.de

Ihr Spendenaufruf »Stuttgarter Beitrag«

Sehr geehrter Herr Schwesig,

vor einiger Zeit lag Ihr Bettelbrief »Stuttgarter Beitrag« in meinem Briefkasten.

Wenn in der freien Wirtschaft Kunden und Geld wegbleiben, sollten sich die Verantwortlichen eines Unternehmens wieder auf Ihr »Kerngeschäft« besinnen.

Wenn einer Institution Mitglieder und Geld wegbleiben, könnten deren Verantwortliche um mehr Geld bei den Verbliebenen betteln, oder sich auf ihre Kernaufgaben besinnen.

Was sind die Kernaufgaben der Evangelischen Landeskirche in Württemberg?

Ein paar subjektive Beobachtungen, lose aneinandergereiht:

Für wen oder was ist »Kirche« da?

In Ihrem Spendenaufruf schreiben Sie: »Wir verstehen uns als Kirche, die sich nicht selbst genug ist, sondern die sich in die Stuttgarter Stadtgesellschaft und darüber hinaus einbringt: mit Kinder- oder Altenbetreuung, mit Seelsore oder psychologischer Beratung, mit Schulen, Bildungsangeboten sowie mit Kirchen für Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Beerdigungen.«

Der Aufzählungsreihenfolge gemäß nehmen Gottesdienste wohl eine niedrigere Priorität ein. Der vielleicht kostenintensivere karitative Bereich scheint wichtiger zu sein.

Der Gottesdienst als regelmäßiger wichtiger Treffpunkt der Christen – unwichtig?

Scheint wohl so zu sein. In Ihrem Interview in den Stuttgarter Nachrichten vom 2.11.2018 geben Sie selber zu, daß Gottesdienste oftmals nicht gut besucht werden. Wenn dort inhaltlich wenig geboten wird, kommen nur wenige.

Image-Film des Stuttgarter Kirchenkreises ohne Inhalt und Aussage

Was macht Ihre Kirche aus?

Auf Ihrer Web-Seite www.Ev-Ki-Stu.de präsentieren Sie stolz den »Imagefilm 2017«. Wie ich Ihnen schon in der E-Mail vom 22.6.2018 geschrieben habe: Ein Image-Film ist eine Visitenkarte, ein Aushängeschild, das Vermitteln eines Eindrucks – das also ist das Bild, welches der Kirchenkreis Stuttgart von sich macht? Ein nichtssagender, langweiliger, öder, fader, phantasieloser, humorloser, leidenschaftsloser, witzloser, inhaltsloser, unnützer, letztlich trauriger Image-Film. Sprüche und Bilder könnten im wesentlichen auch für nahezu jeden Sport-, Musik-, Bürger- oder sonstigen karitativen Verein oder eine beliebige Versicherung stehen.

Die neue Schnittversion von 2018 ändert daran nichts.

Das soll Ihre Kirche sein?

Dafür betteln sie um Spenden?

Um dann für ein solches Hochglanz-Auftragsvideo einen sicherlich hohen Geldbetrag zu verpulvern?

Das Geld hätten Sie sich sparen können.

Evangelischer Kirchenkreistag –  Sinn des Auftritts der Kabarettistin Maren Kroymann

Der »1. Evangelische Kirchenkreistag Stuttgart« in diesem Sommer 2018 sollte, wie damals auf Ihrer Web-Seite zu lesen war, »Interessierte und Neugierige aus Stadt und Region zur Begegnung mit der Evangelischen Kirche in Stuttgart in ganz verschiedenen Arbeitsfeldern« einladen.

Für dessen Auftaktveranstaltung engagierten Sie die Kabarettistin Maren Kroymann. Im Vorfeld wurde auf der gleichen Web-Seite ein Interview mit ihr veröffentlicht. Darin gibt sie zu, »kein besonders gläubiger Mensch« zu sein.

Was soll das für eine Kirche sein, die stolz mit einer Prominenten für sich wirbt, die offen zugibt, »nicht oft ›in die Kirche‹« zu gehen?

Wen und für was wollen Sie als Kirche mit einer glaubens- und kirchenfernen Prominenz einladen?

Von was wurde Kroymanns Honorar beglichen? Gehört zur Kirche eine kirchensteuerfinanzierte Bespaßung? Kernaufgabe?

Kirche in einer Konkurrenzsituation?

Im oben erwähnten Interview in den Stuttgarter Nachrichten vom 2.11.2018 reden Sie nebulös etwas von einem »religiös-spirituellen« Markt, auf dem die Kirche zu bestehen habe.

Die Kirche, ein Wirtschaftsunternehmen? Welche sich gegen Konkurrenz zu behaupten habe? Scheint gar nicht für ihre Mitglieder da zu sein, die ständig um weitere Spenden angegangen werden? Kernaufgabe?

»Home-Ehe« – Verrat der Prälatin Gabriele Arnold an ihrer Kirche

Eine Bemerkung zu einer Ihrer Aussagen zum Thema »Home-Ehe« im oben genannten Interview in den Stuttgarter Nachrichten:

Sie hoffen, daß das Thema »Homo-Ehe« aus dem Wahlkampf 2019 herausgehalten werden wird.

Dagegen stehen die Befürworter der Homo-Ehe längst in den Startlöchern für die Konfrontation: Ihre Prälatin Gabriele Arnold prahlte auf dem Neujahrsempfang 2018 des Veranstalters Christopher Street Day Stuttgart am 3.2.2018 stolz damit, wie ihre Kirche am umfallen ist, und versuchte sich mit dieser Gruppe von außerhalb der Kirche zu verbünden mit den Worten: »Tretet nicht aus, sondern tretet ein! Zeigt, daß Ihr da seid, und helft mit, daß in unserer Landeskirche Wirklichkeit wird, was wir uns wünschen.«

Ist das Kirche?

Bei der die Kirchenleitung das Ziel verfolgt, durch eine Art Bündnis mit einer gesellschaftspolitischen Gruppierung von außerhalb der Kirche die eigenen kirchenpolitischen Ziele innerhalb der Kirche durchzudrücken, indem sie versucht, mit den Leuten von außerhalb ihre Gegner innerhalb der Kirche in die Minderheit zu drängen.

Prälatin Gabriele Arnold hat ihre Kirche verraten.

In einem Beitrag von Kirchenfernsehen.de über die Synodalentscheidung zur Home-Ehe im Herbst 2017 in der Rubrik »Alpha & Omega« vom 2.2.2018 auf YouTube sitzt eine Person in der Gesprächsrunde, welche die Rolle des sympathischen jungen und ungerecht behandelten Betroffenen übernimmt. Unterschlagen wird, daß dieser junge Herr ein Medien- und Kirchenprofi und »Jugenddiakon« der Landeskirche und im Medienbereich der Kirche wohlbekannt ist. Ein professioneller »Insider«.

Ein redaktionell nicht besonders gut gemachter Beitrag, der jegliche journalistische Sorgfalt dahingehend vermissen läßt, sich dem Thema einigermaßen ausgewogen zu nähern und dem Zuschauer die Bewertung zu überlassen. Stattdessen treten hier zwei Befürworter gegen einen Gegner der Homo-Ehe an, auf den eigentlichen theologischen Konflikt wird nicht tiefer eingegangen, und die junge Moderatorin schlägt sich auf die Seite der Befürworter der Homo-Ehe, indem sie dem Diakon das Schlußwort überläßt. Dieser äußert sich im Blick auf den Kirchenwahlkampf 2013: »Nein, Austreten ist, glaube ich, keine Lösung. Diese Kirche muß gestaltet werden. Es gibt 2019 eine Kirchenwahl. Vielleicht schafft man in dieser Kirchenwahl eine höhere Beteiligung – und damit Änderungen.«

Beim Kirchenfernsehen.de könnte auch Geld gespart werden.

Kirche – Erhaltung als Institution allein um ihrer selbst willen

So wie Sie Ihre Kirche darstellen und das z.B. auch im Wahlkampfprogramm 2013 des Synodalgesprächskreises »Offene Kirche« deutlich wird, scheint sich Ihre Kirche nur noch um die Erhaltung als Institution allein um ihrer selbst willen zu drehen. Eine Art beliebiges, profilloses und kostenintensives Dienstleistungsunternehmen, ohne feste Grundlage, verziert mit religiösen Symbolen, welche bei Bedarf auch abgenommen werden können, wie der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Oktober 2016 auf dem Jerusalemer Tempelberg eindrucksvoll demonstrierte.

Kirche und »Rundfunkmafia« – persönliche Erfahrung mit Kirchenleitung

Abschließend noch eine persönliche Erfahrung:

Auf dieser Web-Seite dokumentiere ich z.Zt. meine Erfahrungen mit dem Versuch, bei dem politischen Thema »Kirche und öffentlich-rechtlicher Rundfunk« auf meine Fragen vernünftige Antworten seitens der Zuständigen zu bekommen:

https://ts-studio.net/Kirche_und_Rundfunkmafia/Rundfunkbeauftragte_und_Rundfunkmafia.html

Hierbei zeigt sich, wenn es darauf ankommt, eine eindeutige Stellung zu beziehen und konkrete Fragen ebenso konkret zu beantworten, fachlich versiert und gut begründet Auskunft zu geben, oder einfach nur weiterhelfend Rückmeldung zu geben (bei der Pressestelle im Medienhaus könnte auch Geld gespart werden) – was ist das für ein peinliches Verhalten, obwohl diese Persönlichkeiten zu ihrem ureigensten Fachgebiet befragt werden?

Ist das Kirche?

Ich bin gespannt auf Ihre Stellungnahme zu den aufgeführten Punkten.

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Speidel

Bemerkung:

Die Zwischenüberschriften waren in der E-Mail nicht vorhanden und wurden zur besseren Lesbarkeit des gesamten Textes für diese Web-Seite nachträglich eingefügt.

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Stadtdekan Søren Schwesig reagierte am Donnerstag, 27.12.2018 um 8:59 Uhr per E-Mail zwar zeitnah, erwartete aber explizit, daß seine E-Mail nicht veröffentlicht würde.

Seine Antwort war kurz und nicht inhaltsreich. Er möchte auf die aufgeführten Themen nicht eingehen.

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Datum:

14. Januar 2018, 21:03 Uhr

An:

Stadtdekan Søren Schwesig Dekanatamt.Stuttgart@ELkW.de

Kopie:

Christian Schwinge Christian.Schwinge@ELkW.de

Re: Ihr Spendenaufruf »Stuttgarter Beitrag«

Sehr geehrter Herr Schwesig,

vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung. Das ist seitens der Kirchenleitung ungewohnt.

Ich nehme mit:

Aus dem gewöhnlichen, niederen Kirchenvolk erhält die Kirchenleitung eine ehrliche und nicht nur höfliche Rückmeldung. Ob dieser Dreistigkeit ist der angeschriebene Dekan arg verstimmt und sucht eine Möglichkeit, dem Aufwand einer ausführlichen Beantwortung zu entgehen.

Für die Konstruktion eines Vorwands wird ein Grund in der Person des Fragestellers gesucht, und dieser wird frei heraus als jemand klassifiziert, dessen Engagement nur als schnöde Selbstgefälligkeit einzuordnen ist, so daß sich der Herr Dekan guten Gewissens außer Stande sehen kann zu antworten.

Folgende Beobachtungen sollen geheim gehalten werden, auf daß nichts Schlechtes über die Kirche bekannt wird:

Die Institution Kirche nutzt für ihre Verkündigung die Infrastruktur einer weiteren Institution, deren Finanzierung auf Zwang, Gewaltandrohung und -anwendung basiert.

Der Bischof hat seinen Laden nicht im Griff und ein Kirchenschaf wird vom Jockel zum Hans geschickt. Vielleicht nur, um unbequemen Fragen auszuweichen.

Die Prälatin spinnt ihre Intrigen für ihr kirchenpolitisches Ziel »Homo-Ehe«. Das Kirchenfernsehen liefert die passende Propaganda.

Der Dekan versucht mit einer kirchenfernen Prominenz neue Kirchensteuerzahler für seine Institution Kirche zu aquirieren, will oder kann aber selbige nicht erklären.

Und wer der Allgemeinheit dieses hilflose Gehabe zugänglich macht, in das sich der Stuttgarter Stadtdekan nahtlos einreiht, ist nur ein unbarmherziger Spielverderber.

(Übrigens wäre ein Detail interessant zu wissen, ob Martin Luther seine Thesen an die Außen- oder Innenseite der Kirchentüre angeschlagen haben soll.)

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Speidel

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